B09:John Schmitz

Die Acht wird sich nicht als isoliertes Einzelmotiv entdecken lassen, sondern Schmitz gestaltet daraus ganze Bildgewebe, die aus der Ferne betrachtet Schriftbildern und Texturen einerseits, andererseits seismographischen Aufzeichnungen ähneln. Tatsächlich schreibt sich die Gegenwart im Moment des Aufsetzens der Feder oder des Bleistifts dierekt in den Bildträger ein: die innere Verfasstheit des Linien ziehenden Künstlers prägt seine Handschrift in jedem Moment die Beschaffenheit der Tusche, die Stärke des Farbauftrags oder die äußeren Bedingungen wie Tageszeit, Temperatur und Lichtverhältnisse. Das Aufspannen von Horizontallinien erinnert von Ferne an die Abstraktion von Musiknotierungen und Textzeilen, erst aus der Nähe betrachtet schält sich das Einzelmotiv heraus. Beide Betrachtungsweisen sind wichtig, denn sie lassen uns das komplexe Zusammen- und Wechselspiel zwischen Detail-Ganzheit, Prozess-Vollendung, Anfang und Ende erfassen.

Judith Bader, Städt. G. Traunstein 2016, Auszug


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ohne Titel 

John Schmitz | ohne Titel, 2012
Feder und Tusche, Bleistift, 2B, auf Papier
113cm x 113cm